Maria hilf!

16. Januar 2010

(Dies ist der Ergänzungsartikel zu English Snacking).
Furchtbare Dinge geschehen. Ich verliere mein Sprachgefühl fürs Deutsche, oder Handystrahlen kappen die Verbindungen zwischen deutscher Sprache, Wortschatz und Entscheidungsfähigkeit in meinem Hirn.
Gestern zum Beispiel wollte ich mich partout nicht von etwas beeinschränken lassen. Mir wurde natürlich sehr schnell klar, dass das Wort wohl eine Mischung aus ‚beschränken‘ und ‚beeintrachten‘ sein muss. Okay, dann lasse ich mich eben nicht beeintrachten. Moment mal… das ist doch schon wieder sowas… eine Kombination von ‚beeinträchtigen‘ und ‚betrachten‘!

Könnte mir bitte jemand sowas schreiben wie:
„Liebe Rebecca,
es ist vollkommen normal, dass du Wortfindungsschwierigkeiten hast. Den meisten Menschen in deinem Alter geht es so. Du befindest dich gerade in einer außergewöhnlichen Phase deines Lebens, und Sprachhirn und Sprechorgane müssen sich ganz neu koordinieren. Mach dir keine Sorgen – vielleicht führt dein ‚Problem‘ sogar zu ungeahnten wortkreativen Fähigkeiten!
Dein Dr.-Logopäden-Team“

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Puh!

13. Januar 2010

Im nächsten halben Jahr werde ich wahrscheinlich nur noch sporadisch bloggen können; ich bin universitätisch ziemlich ausgebucht:

Angekommen, die Zweite

9. Januar 2010

Bäh und brrrrr!
Saturday Night Special: misslinge schlecht gelaunt

Nach drei allerschönsten Wochen im Ländle der Dichter und Denker ging’s heute zurück ins Land der Höflichen und Reihenhausbewohner.

Chronologisch:
gestern, 23 Uhr irgendwas: packen
heute, 1 Uhr: schlafen gehen
3 Uhr: aufstehen
4 Uhr: losfahren gen Flughafen
6:40 Uhr: mit Verspätung abheben
wat später: ankommen in Stansted; den Schienenersatzverkehr für den Stansted Express nach London Victoria Station nehmen; vergeblich auf die heute nicht zirkulierende Circle Line nach Paddington warten; stattdessen mit der District Line ein Stückchen fahren, um umzusteigen Richtung Paddington; am Umsteigeort feststellen, dass die tube dieses Wochenende die Strecke, die ich brauche, nicht bedient;
nach High Street Kensington fahren; von Natur aus sowieso schon mit wenig bis gar keinem Orientierungssinn ausgestattet das seltsame Bus-Stop-System Londons erkunden; irgendwann doch den richtigen Bus finden; nach einer halben Stunde endlich in Paddington ankommen; sich schnell einen geilen Burger reinstopfen; mit der First Great Western nach Exeter fahren und mit einer halben Stunde Verspätung dort um 18 Uhr deutscher Zeit ankommen.

2 Minuten Fußweg bis zum Ersti-Gefängnis

Das Zimmer betreten; trotz Mantel und Winterstiefel einen Kälteschock bekommen; sofort die Heizung aufdrehen; bis jetzt (zweieinhalb bis drei Stunden) warten und unausgeschlafen vor sich herfrösteln, hungrig noch dazu, bekleidet mit Unterwäsche, zwei Paar dicker Socken, Hose, T-Shirt, dickem Angeber-Uni-Exeter-Pulli in rot, darüber ein dicker Angeber-Uni-Exeter-Pulli in grün, mit dickem Schal und zeitweise Handschuhen. Meine Heizung schaltet sich übrigens aus, sobald sie eine gewisse Temperatur erreicht hat (ist wohl eine Sparmaßnahme ganz ähnlich dem Pilotprojekt im Brechtbau, der nachts beleuchtet wird, dafür zur Zeit die Studenten mit 17 oder 18 Grad bei Laune hält), und jetzt tut sie gerade so, als sei es hier schon warm. Böse Heizung! Schnell wieder anschalten!
Auf Wärme warten; schlafen; und wegen schlimmer Prokrastination die drei für Tübingen ohnehin unerheblichen Essays in den nächsten vier Tagen (und Nächten?) hinrotzen.

Das Hitler-Phänomen

14. Dezember 2009

[…]
„She’s from Germany!“
„Oh, really? Haben Sie Bier?“
„Mein Deutsch ist nicht gut. Ich habe Magenschmerzen.“
„Ich habe uber Bahnhof gehn.“
„I know Oliver Kahn!“
„I know Hitler!“
„Hitler isn’t German, he’s Austrian!“

Ich kam her mit der Erwartung, dass jeder (zweite) Engländer, der erfährt, dass ich aus Deutschland komme, einen Hitler-Witz macht. Und dass die Engländer ja sowieso was gegen Deutsche haben und manche denken, wir lebten noch in einer Diktatur. In den letzten Jahren muss sich jedoch etwas getan haben, denn meine deutschen Mitmenschen haben mich ganz überflüssigerweise auf solche Situationen vorbereitet. Das erste Mal, dass das Wort Hitler in meiner Gegenwart fiel, war am Wochenende, und kaum war der Name gefallen, wurde er auch schon wieder vergessen.
Vielleicht liegt es ja daran, dass ich mich hier hauptsächlich mit Studenten zwischen 18 („Huch! 18! Das steht doch für Hitlers Initialen!“) und 25 herumtreibe, aber das erklärt nicht, warum der uralte Mann im Pub Leni und mir eine gute Nacht gewünscht hat, nachdem er ein paar weitere Deutschvokabeln wiederholt hatte.
Wenn das so bleibt, behaupte ich nach meinem Auslandsjahr, dass die Engländer und die Deutschen sich endlich wieder lieb haben.

Schaben im Bad

4. Dezember 2009

„Iiiihhh, Schaben!“ – Ja, es war irgendwie schon etwas eklig. Aber man muss auch mal die hässlichen Dinge dieser Welt thematisieren. Manche Menschen werden mit sowas berühmt, Gottfried Benn zum Beispiel und seine Schöne Jugend.

Es trug sich also zu, dass ich, noch bevor sich der neue Wasserkocher in der Küche mit mir bekannt machte, indem er zwei Mal am selben Tag heißes Wasser über meine linke Hand statt in die Tasse ergoss, bei der Rasur eines meiner Beine etwas zu hastig und unkonzentriert zugange war, sodass das strömende Blut den Wasserfluten gen Abguss folgte, was ich allerdings nicht allzu ernst nahm, da doch die verursachte Wunde nur sehr oberflächlich aussah, was im Grunde auch gar nicht falsch war, aber im eigentlichen Grunde auch gar nicht allzu richtig, denn wie ich wenig später feststellte, hatte ich mit dem Rasierer Haut von meinem Bein abgeschabt, die nun am Weiterrasieren hinderte.

Düdlüdlüdlüdlü?

27. November 2009

Oder: The Origins of the Sprechgesang

In der Küche
MISSLINGE. MISSLAW.

MISSLAW. Hey!
MISSLINGE. Hey! Did you find what you were looking for in town?
MISSLAW. Oh, I wasn’t really shopping, I just needed a brick.
MISSLINGE (für sich). ‚Another brick in the wall… ♫ ♪ …‘ Wat? Die braucht ’nen Ziegel? Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber…
MISSLINGE (laut). You needed what?
MISSLAW. A brick. Some time off, you know.
MISSLINGE. Ah, you’re talking about a break!

Habe ich nicht vor einer Weile das allerschönste British English gepriesen, das hier gesprochen wird? Bis auf MissLaw machen das auch fast alle. MissLaw kommt aus Nortern Urlin (=Northern Ireland). Und da sprechen sie so, wie die zwei südirischen Trolle ganz nett karikiert haben:

MissLaw hat mich außerdem auf Vießbuck als Freund geaddet, nicht auf Facebook. Immerhin kann ich MissLaws irische Art, „Pinky and the Brain“ zu sagen, schon so gut imitieren, dass meine Cornische Mitbewohnerin MissHussey ganz neidisch ist. 🙂

Die Suche nach bildungsstreik lieferte keine Treffer

20. November 2009

http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=bildungsstreik

Das trifft’s eigentlich gut. Aus Tübingen erreichen mich Berichte sowie genehmigte oder auch nicht genehmigte Rundmails, die den Bildungsstreik zum Thema haben. Hier dagegen gibt es die bravsten und parierendsten Studenten, die man sich vorstellen kann. Die „Flat Inspections“-Mail passt also ganz gut ins Schema: Niemand würde je auf die Idee kommen, sich darüber zu beklagen, dass jemand kommt, um zu kontrollieren, ob man auch brav das Zimmer aufgeräumt hat und die Wohnung nett behandelt.

Diese unkritische wir-fügen-uns-lieber-dem-Schicksal-Haltung zieht sich durch alle Bereiche britischen Lebens, zumindest, soweit ich das beurteilen kann:
Beim Studieren unterwerfen sich alle der perfekten Kontrolle – jeder noch so unbedeutende Leistungsnachweis muss mit einem bestimmten Deckblatt, das nur über eine bestimmte Internetseite abrufbar ist, abgegeben werden, und zur Sicherheit erhält man bei der Abgabe auch noch eine Quittung; Geldbeträge, zum Beispiel vom Meet-and-Greet-Service, der mich per Bus am ersten Tag von London nach Exeter brachte, werden nicht einfach bar entrichtet, sondern müssen im Studentenfinanzcenter bezahlt werden, wo man ebenfalls eine Quittung erhält; und nachdem der Dozent Leistungen bewertet hat, werden diese noch mal von einer externen Firma (?) überprüft, beinahe wie beim Abitur.

Jeder ist berühmt – egal, wo man sich wie bewegt, alles wird per CCTV aufgezeichnet. Beim Einkaufen stehen Securities im Eingangsbereich des jeweiligen Geschäftes, die auf Bildschirmen genau mitverfolgen, wer sich seltsam benimmt. Und an den Wochenenden tummeln sich mindestens genausoviele Polizisten und Securities auf den Straßen und vor den Pubs wie Zivilisten.

Schäuble würde sich hier wohlfühlen. Vielleicht klinkt er sich ja manchmal in die CCTV-Altogether-Schaltzentrale ein. 😉

Flat Inspections

17. November 2009

Oder: Noch viel gefänglischer als mein Reihenhaus sieht mein Mietvertrag hier aus. Im Folgenden eine E-Mail, die mich vor fünf Tagen erreicht hat. Alle Namen etc. habe ich durch […] ersetzt.

12 November 2009

Dear Rebecca

Routine inspection visit at Point Exe

I am writing to advise that I will be making a routine visit of the above property as stated in your tenancy agreement. I will be calling at the following time:-

Date: 11/18/2009

Time: 14:20PM

If you cannot be present please note that I will carry out the inspection in your absence using our passkey. I would prefer you to be present on the first room inspection, if only to put a name to a face but appreciate that you will not all be able to be home.

The main purpose of these visits is to check the condition of the property and identify any outstanding repairs, maintenance issues, cleaning issues or health and safety issues, which require attention. They will also provide you with an opportunity to raise any queries that you may have relating to your tenancy. If you have any queries or repairs, which need attention and cannot be present at the time of the inspection, please leave a note or contact […] in the office at Point Exe prior to the appointment.

Please note during this inspection any of the following items found in flats will be removed at a cost of £20 per item payable by tenants of that flat; this is because of the health and safety risk they pose:

· Shopping trolleys

· Traffic cone

Please do not remove these items from your flat and deposit on site at Point Exe, return to where they were taken from. Any traffic cones etc found on site will result in me reviewing the CCTV to find who left them there.

Any non fused adapters found in flats will be removed and returned at the end of your stay, the reason for this is they do not comply with relevant standards and regulations and as such are a health and safety risk.

Yours sincerely

[…]

Ganz schön frech. Ich hoffe, dass ich, wenn ich schon meine gesammelten Verkehrskegel abgeben muss, meine Bildersammlung von Verkehrskegeln in Einkaufswägen behalten darf.

Bonfire Night

8. November 2009

Am Donnerstag war Bonfire Night. Da laufen, schon seit Jahrhunderten, ein Mal im Jahr Menschen mit brennenden Fässern auf dem Rücken rum. Mehr kann ich über diese traditionelle Veranstaltung leider nicht berichten, da ich, vom Tod am Hals gekitzelt, den Abend im Bett verbrachte, dank meiner eine Woche lang ignorierten Mandelentzündung.
British Breakfast
Aus Datenschutzgründen den Zähnen gegenüber verzichte ich darauf, ein Bild von meinem verbliebenen „Schluck-Schlitz“ zu zeigen, an dessen Seiten weiße Flecken zu sehen sind, die aussehen wie riesige Bakterienkolonien oder falsch platzierte Weisheitszähne, die in Wirklichkeit aber Eiterklumpen sind.
Stattdessen berichte ich davon, wie ich letztens durch den Supermarkt ging und beim Umherschauen mein Blick am Schokoregal hängen blieb: Ob die Lindt-Osterhasen wohl teurer sind als in Deutschland? …Moment mal – Osterhasen? Um die Zeit? Wir haben doch noch nicht mal Weihnachten!

Weihnachtshasen

Erst bei genauerem Hinsehen fiel mir auf, dass das gar keine Hasen, sondern Rentiere waren.

Von Räubern, Bier und kleinen Mädchen

26. Oktober 2009

Long time, no see…
Es gibt mich immer noch, ganz exklusiv, nur hier in Exeter! Sichern Sie sich jetzt Ihre Gratisprämie!

Die letzten Tage bzw. Wochen war ich brav an der Uni,
On the Way to Streatham Campus
habe herausgefunden, dass Einbrecher und böse Räuber, wenn Polizei im Anmarsch ist, doch bitte geradeaus rennen sollen,
Run this way!
dass Räuber mit geschäftnachgehenden Hunden auch eine Strafe bezahlen müssen,
Penalty also Due if Money Stolen
dass Wörter aus dem alemannischen Sprachgebrauch Einzug ins Englische halten,
Hald dei
dass die Stadt nach wie vor nachts besonders schön ist,
Ohne Beleuchtung wären nachts alle Türme grau.
dass ich hier meine musikalisch verlorene Kindheit aufarbeiten kann,
Wunschträume... und Tränen der fiktiven Erinnerung.
und dass man hier nicht in die Stadt läuft, um was trinken zu gehen, sondern sich im Grüppchen ein Taxi nimmt:
Me and my flatmates waiting for the paparazzi to take pictures.