Archive for the ‘Schwäbisch-englische Verwandtschaften’ Category

Der Onkel

1. April 2010

Eines Nachmittags – R. war gerade vor dem Postabschluß sehr beschäftigt – drängte sich zwischen zwei Dienern, die Schriftstücke hereintrugen R.’s Onkel J., ein großer Grundbesitzer vom Lande, ins Zimmer. R. erschrak bei dem Anblick weniger, als sie schon vor längerer Zeit bei der Vorstellung vom Kommen des Onkels erschrocken war. Der Onkel mußte kommen, das stand bei R. schon etwa einen Monat lang fest. Der Onkel befand sich immer in Eile, denn er war von dem unglücklichen Gedanken verfolgt, bei seinem immer nur eintägigen Aufenthalt in der Hauptstadt müsse er alles erledigen können, was er sich vorgenommen hatte. Dabei mußte ihm R., die ihm als ihrem gewesenen Vormund besonders verpflichtet war, in allem möglichen behilflich sein und ihn außerdem bei sich übernachten lassen. „Das Gespenst vom Lande“ pflegte sie ihn zu nennen.

Zur besonderen Überraschung kam bei diesem Besuch allerdings noch R.’s Bruder J. von der Lingusbruderschaft mit, was R. besonders erfreute. Zu dritt verbrachten sie eine schöne Zeit; außerdem hatte sich R. von ihrem Ersparten schon vor längerer Zeit eine Kamera mit Möglichkeit zur Farbaufnahme, mit der sie Momentaufnahmen des Besuchs für spätere Erinnerungen zu machen gedachte, zugelegt.

Beim Spazierengehen fiel R. auch diesmal auf, daß am Gerichtshäuschen am Stadtrand mehrere Videokameras angebracht worden waren, die R. auf Schritt und Tritt verfolgten.

Wie R. später erfuhr, hatte die Verwandtschaft genauso viel Zeit auf der Reise wie in der Stadt verbracht.

„weißt du eigentlich wo wir gelandet sind gestern?

der „nette“ und äußerst geschäftstüchtige ryan air SIR am schalter sagte frankfurt…ich dachte prima frankfurt da gibts ne ice anbindung

faktisch war es aber frankfurt hahn was ja eigentlich lautzenhausen heißt!

das ist wie wenn ich sage ich wohne in stuttgart ost = o. [kaff bei ehingen]

100 km vom nächsten bahnhof ist der sch*** flughafen!

aaalso das war gaaar kein problem schau:

vom wörldwideinternational metropolitian flughafen lautzenhausen zum busbahnhof zu fuß
vom international busbahnhof lautzenhausen mit nem reisebus nach mainz
von mainz (ZDF) mit nem IC nach mannheim
Von mannheim mit nem ICE nach stuttgart
von stuttgart mit nem ICE nach ulem
von ulem mit ner regionalbahn nach erbach
von erbach mit nem bus nach o.
von o. mit nem fahrrad nach e. (brotheronly)“

Die Bahn bedankt sich für Ihr Monatsgehalt!

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Baby, You Can Drive My Mähdrescher

10. Oktober 2009

Der folgende Song wurde mir von einem Exeter-Ureinwohner empfohlen, um die Eigenarten des Dialekts herauszuhören. Ist wohl kein spezifisches Devon-English, sondern eine übertriebene Darstellung südwestlicher Dialekte, aber so genau weiß ich das auch nicht…

Anyway, nice song (and quite well-known in Devon/Cornwall), listen to it!

Ansonsten lautet das Zauberstichwort für diese Gegend „Cider“ – schmeckt mit Schwarzer-Johannisbeere-Sirup besonders gut, ist ansonsten so ’ne Art Apfelmost. Oh Gott, kein Wunder fühl ich mich hier so wohl, das ist ja wie im Schwabenland. Mähdrescher und Apfelmost… und Jammern über Straßenbahnen:

Halb neun ist halb zehn ist halb elf

5. Oktober 2009

Als ich am Sonntag bei Leni und ihren vier britischen Mitbewohnerinnen war, erzählte eine, sie treffe sich um „half nine“ mit jemandem. Mein Herz zersprang schier vor Freude – benutzte eine waschechte Engländerin hier etwa das schwäbische Uhrzeitensystem?

Bevor hier im großen Stil Beschwerdekommentare zur Unlogik der schwäbischen Uhrzeit eingehen, möchte ich hier nochmal das Prinzip des süddeutschen Uhrenlesens erklären:

Das folgende Bild soll eine Uhr darstellen, aber wir nennen sie hier mal Kuchen. Der Kuchen heißt VIER. So wie die Zahl 4. Und er ist unterteilt in 12 genau gleich große Stücke. (Man verzeihe die Ungenauigkeit; ich bin weder Mathematikerin noch Paint-bewandert. Es geht hier schließlich nur ums Prinzip.)
Ein Kuchen namens VIER

Wenn ich nun 9 Stücke des Kuchens esse, sind das drei Viertel des Kuchens, hier blau markiert.

dreiviertel

Da der Kuchen nun nicht mehr derselbe ist wie früher, bekommt er einen neuen Namen: DREIVIERTELVIER
Um das Beispiel nun auf die Uhr zurückzuführen: Angenommen, die Uhr heißt ZWEI und der Zeiger steht auf 9, dann hat der Zeiger quasi drei Viertel der ZWEI markiert (könnte man ja mal ausprobieren, indem man den Zeiger durch einen Wachsmalstift ersetzt und auf 12 stellt), folglich ist es DREIVIERTELZWEI. Genauso funktioniert das übrigens mit halb-x und viertel-x. Optimierungsvorschläge sind immer willkommen; für mich klingt das alles logisch.

Nein! Ich hatte mich zu früh gefreut. Die Briten haben unser System nämlich verfälscht. Vielleicht haben die deutschen Nichtschwaben deshalb Probleme mit der Pünktlichkeit in Süddeutschland? Jedenfalls meinte die Mitbewohnerin mit halb neun nicht 20:30 Uhr, sondern 21:30 Uhr.
Dafür scheinen sich die Engländer in diesem Punkt zumindest einig zu sein. Die Mitbewohnerinnen, die alle aus unterschiedlichen Gegenden kommen, wussten nämlich alle, was gemeint ist, und es musste nicht erst groß debattiert werden, welche Bezeichnung denn nun die korrekte ist.

sau- vs. so

17. Juli 2009

An dieser Stelle sollte mal eine schwäbisch-englische Verwandtschaft Beachtung finden, die auf den zweiten Blick doch sehr zum Nachdenken anregt: [səʊ] (→ Für alle Nicht-Unidäädler: Das in den eckigen Klammern ist Lautschrift, also eine schriftliche Beschreibung der Aussprache dieses Wortes.)

Das Wort schlechthin, um ein Adjektiv zu verstärken, ist sowohl im Englischen als auch im Schwäbischen [səʊ].

engl.  ’so‘ („I’m so tired!“)

schw. ’sau-‚ („I be saumiad!“)

Dabei fällt außerdem auf, dass die schwäbische Satzstellung der englischen nicht unähnlich ist (engl. „I am…“ vs. schw. „i be“).

dem sein, der wo

14. Juli 2009

Im Deutschen als falsch bezeichnete schwäbischsprachige Eigenheiten sind (bzw. waren) im Englischen durchaus geläufig und korrekt:

„Mars his sword“ (Shakespeare) vs. „dem Mars sein Schwert“ (schwäbisch)

„The one who“ vs. „der wo“

Gegen die Diskriminierung des schwäbischen Dialekts! 😉 Drfier kennad mir bessr Englisch!